Donnerstag, 17. Oktober 2013

Was man hier so zu essen findet...

Ich glaube, ich habe endlich rausgefunden, wie man Bilder hochladen kann. Bzw. habe jetzt eine Internetverbindung, die das mitmacht! Was ja für uns alle immer besonders von Interesse ist, schmeckt denn das Essen? Kann man hier überleben? Ich sage nur eines. Man kann. Man kann auch nicht. Ich kann es sehr gut! Anbei ein paar Impressionen von meinem täglichen Wasser und Brot...

Wontons mit Ingwer und Fleisch gefüllt und auch die werden nur mit Stäbchen gegessen

Feine Wontons, zwar koreanisch, aber sehr lecker. Mit Ingwer und Schweinefleisch gefüllt in einer guten Brühe. Davon wird uns immer wieder warm!

Jederzeit vor allem zu späten Stunden genau das Richtige

Von uns liebevoll "Spießchen" genannt. Zu jeder Tages und vor allem Nachtzeit ein Genuss. Hinter die Stände oder auch den Verkäufer schaut man sich lieber nicht so genau an. Am Besten man überlegt auch nicht, woher diese herrliche Würze kommt. Man schweigt einfach und genießt.

Yummy

Kung Pao, eine unserer Leibspeisen bei "Omi". Zuweilen sehr scharf, je nachdem wie gut sie es mit uns meint!

Pekingente

Die obligatorische Pekingente. Man isst sie übrigens in einer Art Wrap mit Sesamsoße und Gurke.

Jiaozi-Baozi-

Eines unserer Standard- und auch Lieblingsessen. Direkt vor den Toren der Uni auf der Straße. Baozi und Jiaozi, dazu gebratene Nudeln.

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Muslimisch zu essen ist auch fein. Ein alter Spruch, wenn auch schlecht übersetzt heißt, man sollte in arabischen und muslimischen Restaurants essen. Da diese noch eine Religion besitzen ist das mit dem Betrügen und Bescheissen nicht so ausgeprägt^^ wer weiß, wer weiß...auf jeden Fall gibt es hier BROT

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Scharf ist eigentlich alles, mittlerweile sind die Chillies schon normal...

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Sushi essen wir auch ganz viel, das ist immer der leichte Gegenpol nach dem sehr fettigen, da in Öl gebratenen, Essen

Morgens halb 10 in Peking

Einer meiner Lieblingszeiten hier in Peking ist der Morgen. Wenn der erste Sturm an hektischen Geschäftsmännern und –Frauen durch die U-Bahn geschleust wurde und der Verkehr sich langsam wieder normalisiert und der Smog sich noch nicht wie eine Glocke über die Straßen stülpt, kann man wunderbar Menschen und deren Alltag beobachten. Geht man durch die Straßen, bemerkt man schnell die vielen Tanzformationen in Uniform vor den Geschäften. Schaut man näher hin, erkennt man, dass dies die Belegschaften von Frisörsalons, Boutiquen oder sogar Immobilienagenturen sind, die hier jeden Morgen kollektiv motiviert werden. Musik tönt aus einem Lautsprecher, einer tanzt vor und schreit Parolen zu, welche im Chor beantwortet werden. Stellt euch 20 erwachsene Menschen in Anzug und Kostüm vor, die zu Popmusik das Fliegerlied oder das Rote Pferd tanzen. Genauso sieht das aus! Ob es wirkt? Keine Ahnung…
Geht man weiter, den Bürgersteig entlang, fühlt man sich beinahe einsam, da keine hunderttausend Menschen sich die 2 m Fußweg mit dir teilen möchten. Stattdessen sieht man viele Großeltern, die ihre Enkel in den Kindergarten oder zur Schule bringen. Diese Beziehung ist eine ganz besondere, über die ich bald noch berichten möchte. Die Kids trödeln, die Omas und Opas unterhalten sich…das hohe Tempo der Stadt scheint hier die Zeitlupe einzuschalten.
In der U-Bahn fühlt man sich dann aber auch wieder ein bisschen allein. Man geht einfach so durch das Drehkreuz, zur Bahn, durch die Tür, setzt sich auf einen der zahlreichen freien Plätze, hat Luft zum Atmen. Und das alles ohne Stress. Ohne Ellenbogen im Rücken und Absätze auf den Zehen. Als ich zum ersten Mal um diese Uhrzeit unterwegs war, fragte ich mich, ob Krieg ausgebrochen sei und nur ich es nicht mitbekommen hätte. Die Menschen scheinen von den Wolkenkratzern und Glasfassaden verschluckt zu sein. Aber schnell gewöhnt man sich an die Ruhe und den ganz eigenen Quadratmeter und das Quäntchen eigene Luft und sieht die Stadt aus einer ganz anderen Perspektive. Was bleibt ist Gelassenheit. Ob die aus Zufriedenheit gespeist wird oder aus Resignation weiß ich nicht. Resignation, dass ihre Existenz in dieser Stadt, in diesem Land, in diesem System nur wenig ausmacht, dass sie dem Gutdünken einer höheren Macht, wie sie auch aussehen mag, unterworfen sind, Zufriedenheit aber dass sie aber in dieser Lebenswelt ihren Platz gefunden haben, an dem niemand etwas von ihnen will und sie auch nichts zu befürchten (oder erwarten) zu haben. Als kleines Rädchen kann man sich entweder unterworfen, unfrei, begrenzt oder gar gefangen fühlen. Ich sehe hier, viele Menschen fühlen sich sicher, bequem, arrangieren sich. Glauben fest an die Idee des Teams, das zusammen immer stärker ist. In dem jeder seinen Platz aber damit auch seine Verpflichtung hat. Diese Idee lässt sich von der Lehre des Konfuzius ableiten, der zwar schon vor über 2000 Jahren gelebt hat, aber dessen Gedanken hier immer noch Kultur und Menschen stark prägen. Die soziale Ordnung und Hierarchie wird über das Individuum gestellt. Dafür kann, soll und muss man sich selbst zurück nehmen. Darüber hinaus wird die Autorität, sei es der Kaiser, König, die Regierung, der Vorgesetzte oder auch der Vater niemals in Frage gestellt. Jeder hat seinen Platz. Damit sein Recht. Damit seine Grenzen. Und das alles um halb 10 in der Pekinger U-Bahn.

Samstag, 12. Oktober 2013

Lieblingsplatz: Yuan Dynasty City Wall Relics Park

Erst vor kurzem habe ich meinen bisherigen Lieblingsort in Peking entdeckt. Die ehemalige Stadtmauer aus der Zeit der Yuan Dynastie liegt direkt auf der anderen Straßenseite unserer Uni. Man muss nur einen Zubringer zur Stadtautobahn überqueren aber tritt man über die Schwelle schlägt einem Ruhe und frische Luft entgegen. City Wall Relics Park hört sich allerdings leider historischer an als er tatsächlich ist. Von der City Wall ist eben noch der Graben da, ein circa 5m breiter träge fließender Fluss. Im Zuge der Stadtverschönerung vor Olympia wurde rechts und links davon ein Park wiederhergestellt. Ein Aufforstungsprogramm sollte für eine bessere Luftqualität sorgen und dem modernen und von westlichen Einflüssen geprägten Stadtteil Chaoyang einen traditionellen Touch geben. Der nicht so romantischen Geschichte zum Trotze, mag ich diesen Park so gerne. Zu jeder Tagesszeit gibt es so viel zu sehen, dass sogar ich faules Stück die ganze Strecke durchjoggen kann. Abgelenkt von meiner Unsportlichkeit, sprinte ich den Fluss entlang. Das noch junge Aufforstungsprogramm hat eine lichtes Wäldchen auf der einen Seite geschaffen, unterbrochen von allerlei Plätzen mit Bänken und kleinen Pagoden. Hier lassen die Chinesen die Seele baumeln, frönen ihren Hobbys und zeigen sich sportlich.
Vor allem morgens, ist der Park der sportliche Hotspot der Umgebung. Vor allem ältere Chinesen treffen sich in richtig großen Gruppen, bringen Ghettoblaster oder gleich ihre eigene Musikanten mit und üben traditionelle Tänze mit großen Fächern oder Tüchern. Mit winzigen Trippelschritten und wunderschönen geschmeidigen Bewegungen sieht allein das Aufwärmen wie eine Vorführung aus. Alternativ wird Federball oder Indiaka gespielt. Scheinbar uralte Männer im alten und grundsätzlich nicht passenden Maoanzug springen auf dem Feld hin und her. Wer keine Lust auf Gruppenaktivität hat, sucht sich ein ruhiges Plätzchen und konzentriert sich auf Tai Qi, Yoga oder andere Kampfsportübungen. Auch hier überrascht mich die Beweglichkeit und Spannung der alten Herrschaften die plötzlich aus der Konzentration aufspringen und Kicks in die Luft machen. Ich jogge weiter. Passiere Chöre, Musikanten oder rezitierende Poeten. Besonders lustig ist auch der Kinderwagentreff. Bestimmt 50 Kinderwägen stehen auf diesem Platz kreuz und quer durcheinander. Die Kinder rennen dazwischen. Die Großmütter hinterher. Andere haben aufgegeben und halten ein Schläfchen. Wildes Geschrei. Streit um ein Spielzeug. Freude über die süße Bestechung. Manches ist überall auf der Welt gleich. Nur das Ausmaß ist variabel.
Habe ich diesen Hindernislauf geschafft kommt ein ruhiger Abschnitt. Total in Mode ist es, sein Handy laute Musik spielen zu lassen. Egal, ob es der Geschmack der anderen ist oder nicht. Von wegen die Chinesen sind so zurückhaltend um ihre Mitmenschen nicht zu stören. Die anderen dürfen sich halt nicht stören lassen! Tun sie auch nicht. Ein Schläfchen in der Sonne hat noch keinem geschadet. Das denke auch ich mir und lasse mich auf einem Mäuerchen nieder um eine der Tanzgruppen zu beobachten. Nur wenige Minuten später stupft mich eine urururalte Chinesin an. Sie geht mir nur bis zur Schulter, hat schneeweißes Haar und keinen einzigen Zahn mehr. Sie redet wild auf mich ein. Sobald sie merkt, dass ich sie nicht verstehe, spricht sie langsamer, haut mir auf mein Hinterteil, ich soll aufstehen. Deutet auf meine Blase und stöhnt gequält auf. Spricht von krank und kalt (mehr verstehe ich leider nicht). Da hatte sie wohl das Bedürfnis mich vor einer Blasenentzündung zu bewahren. Also Pause vorbei. Sie freut sich.
Geht man am Wochenende, kann man viele Hochzeitspaare beobachten, die sich fotografieren lassen. Das Hochzeitsfoto ist hier nämlich essentieller und unglaublich wichtiger Bestandteil einer Hochzeit. Es gibt eigene Agenturen, mit denen man Wochen vor der Hochzeit anfängt zu shooten. Dann sind da professionelle Fotografen, Licht und Hintergrundverantwortliche und eine Horde Stylisten. Das Kleid wird mindestens 4-5 mal gewechselt (alle geliehen). Traditionell trägt die Braut hier rot. Die Glücksfarbe. Aber viele Paare möchten auch ein schönes westliches Foto in schneeweiß. Die Kleider sind zwar schön, aber wie bei so vielem von allem ein bisschen zu viel. Zu viel Tüll. Zu viel Glitzer. Zu viel Stoff. Zu viel Schminke. Zu viel Blingbling. Zu gestellt. Aber sie freuen sich.
Das ist also mein neuer Lieblingsplatz. Hier kann man zur Ruhe kommen, den Gedanken freien Lauf lassen. Die Muse zum Schreiben wiederfinden  hab euch lieb <3

Mittwoch, 4. September 2013

Schaffa schaffa Häusle baue

Da heißt es doch immer die Schwaben wären schaffig, aber gegen die Chinesen sind sie gar nichts! Ich weiß nicht ob sie wirklich fleißig sind oder eben nur gehorsam, aber sie arbeiten ständig und überall. Ich habe doch von der Baustelle vor unserem Zimmer berichtet. Das gibt ein Sportzentrum. Als wir kamen war eben das Fundament ausgehoben und fixiert, heute wurde der dritte Kellerstock betoniert! Zu jeder Tages- und Nachtzeit wird hier gearbeitet. Bei jedem Wetter. Sonntagmorgens um 6, genauso wie Mittwochnachts um 3, oder Montagabends um 8. Keine Baustelle hier steht still. Und nicht nur dass sich immer etwas bewegt, man kann einen täglichen Fortschritt beobachten.

Die Art und Weise wie das alles geschieht ist aber noch besser. Es gibt keine Absperrungen, keine Warnschilde (für alles gibt es Warnschilder, nur keine für Löcher im Boden, oder Elektrikerarbeiten über einem Durchgang), keine Arbeitskleidung. Der Kerl auf der Bausstelle steigt den Kran täglich in FlipFlops hoch.^^

Aber nicht nur bei Langzeitprojekten sind sie unglaublich. Wir sind letztens um 23:00 zu einer Bar aufgebrochen. Reisst da einer die Straße auf. Kommen um 4:00 Uhr wieder zurück, stehen etliche Geräte, Raupen etc. da, die Bauarbeiter stecken bis zum Hals in der Straße. Gehen um 8:00 Uhr zur Uni --- es sieht so aus als wäre nichts geschehen. Würde man ihnen von Stuttgart 21 oder dem Berliner Flughafen erzählen, die würden sich totlachen!

Aber auch wir sind jetzt in diese Maschinerie geraten und erleben, was es heißt in China zu studieren. Obwohl wir "Blondie-Bonus" haben ist der Unterricht ziemlich anders. Manchmal fühlt es sich an, als würde Oma von ihrer Schulzeit erzählen. Bis jetzt haben wir nur den Chinesisch-Unterricht aber der schafft mich richtig. Es ist alles eben ein bisschen "seinerzeit" und ist deshalb auf eine ganz bestimmte Art anstrengend. Man darf nicht fehlen oder zu spät kommen. Unsere Lehrerin Xui-Laoshi (laoshi heißt Lehrer ud ist eine Art Titel, wir sagen übersetzt "ja Lehrerin Xui".) sagte uns gleich zu Beginn, wenn wir krank sind oder Termine haben müssen wir trotzdem kommen. Sonst werden wir nicht zur Prüfung zugelassen. Während des Unterrichts spricht Laoshi Wörter oder Sätze vor, wir sprechen im Chor nach. Dann müssen wir einzeln an die Tafel und die Zeichen, die wir am Tag vorher gelesen haben, aufmalen. Dann gibt es ein Diktat. Dann wieder im Chor lesen. Dann kommt meine Lieblingsübung. Texte auswendig lernen. Stupides auswendiglernen. Und dann nicht mal angepasst sondern exakt so wie es im Buch steht. Steht das z.B. "Hallo ich heiße Helen und bin aus Korea." Darf man nicht lernen "Hallo ich bin Jenny und komme aus Deutschland" sonder immer und immer wieder "Hallo ich heiße Helen und bin aus Korea". Das macht meiner Meinung nach wenig Sinn und find ich auch echt doof. Dazu kommen dann immer Hausaufgaben und das nicht wenig. Dann wird vor der ganzen Klasse gesagt, wer die beste und wer die schlechteste Arbeit abgegeben hat. Die Beste wird an die Wand gehängt. :D

Soweit zur Arbeitsmoral hier...ich hoffe die anderen Uni-Kurse werden nicht so anstrengend. Ich geh jetzt mal jedes Wort 3 mal abschreiben.

Zaijian,
<3

Sonntag, 1. September 2013

Urlaubsfeeling

Freunde der Nacht,
ich denke ungefähr 100 mal am Tag: "Mensch, das muss ich unbedingt in den Blog schreiben" aber die Tage sind dann so schnell vorbei, dass sich alles ein bisschen aufstaut. Ich habe mir sogar schon Notizen gemacht, damit ich nichts vergesse!

Die letzte Woche verging wie im Fluge, absolutes Urlaubsfeeling. Das Wetter ist herrlich, sehr heiß, aber noch eine sehr gute Luftqualität. Man sieht blauen Himmel und die Sonne scheint uns auf den Pelz. Die Chinesinnen wickeln sich in etliche Lagen Stoff, tragen Sonnenbrillen und natürlich Sonnenschirme mit sich herum. Sie wechseln sogar die Straßenseite aus Angst vor der Sonne. Weiß sein ist das absolute Schönheitsideal. In einer Drogerie haben wir schon Gesichtsmasken mit Extra-Weiß-Bleich-Effekt. Wir freuen uns trotzdem über unsere immer bräuner werdenden Beine!

Trotz dem Unverständnis gegenüber unserer Liebe zur Sonne fühlen wir uns wie die Supermodels :D Auf der Straße oder in der U-Bahn sehen wir den meisten Chinesen zumindest in die Augen wenn nicht sogar auf den Scheitel. Die Bäume in unserer Straße sind so geschnitten, dass wir gerade so darunter durchgehen können und wenn ich mich in meinem Bett ausstrecke, hängen meine Zehen raus...von wegen Zwerg!

Vor allem an touristischen Plätzen wie der verbotenen Stadt oder auf dem Olympiagelände werden wir auch ständig angehalten Fotos zu machen. Teilweise fühle ich mich wie der Papst, wenn uns die Kinder gebracht werden um sich zu uns zu stellen. Oder wie ein kurioses Tier. So nach dem Motto "Stell dich dahin, die beissen nicht!". Wir fragen uns, in wievielen Familienalben wir wohl auftauchen werden!!!

Wie ihr erahnen könnt, haben wir neben unseren Partynächten auch mit dem obligatorischen Sightseeing angefangen.

Die Verbotene Stadt
Bei strahlendem Sonnenschein sind wir zur Verbotenen Stadt gefahren. Wir und hunderte von anderen Chinesen. Allein ist man hier niemals. Allerdings war es auch nicht so überfüllt wie wir es uns vorgestellt hatten. Nachdem wir durch die großen Tore ins Innere gegangen sind, fühlten wir uns wie Alice im Wunderland, die in den Kaninchenbau fällt. Trotz der Massen an Touristen strahlt diese Stadt, dieses Monument solch eine Schönheit und Stärke aus, dass einem urplötzlich ganz klar zu sein scheint, warum genau dieser Ort im alten China als Zentrum der Welt und des Universums gesehen wurde. Jeder einzelne Stein hat eine Bedeutung. Jeder ist mit einer symbolischen Zahl, Farbe oder Form gestaltet. Bewacht von riesigen Bronzelöwen und umgeben von Mauern, Gräben und Pfeiltürmen liegt eine andere Welt, eine andere Zeit. Da wir nur zu zweit dort waren, konnten wir ohne Hast durch die Gassen, Gärten und Tempel wandern. Oft haben wir uns dann einfach auf eine Ecke gesetzt, nicht gesprochen sondern nur die alten Mauern, Tore und Lauben auf uns wirken lassen. Uns vorgestellt welche Intrigen, Politik und welche Macht hier einmal zu Hause war. Der herrliche Tag hat sein Übriges dazu getan. Die Dächer, allesamt mit gelben Ziegeln gedeckt (die Farbe Gelb war dem Kaiser vorbehalten) strahlten wie Gold in der Sonne.
Unglaublich, wie all das mit einfachen aber doch cleveren Mitteln gebaut wurde. Einer der größten Steine, der eine Rampe in den 2. Stock bildet wurde aus Südchina hertransportiert. Ohne Rad, aber klug wie sie waren, haben sie das im Winter gemacht, alle 30 Meter ein tiefes Loch bis zum Grundwasser gebohrt, bis Wasser an die Oberfläche lief, welches dann vereiste und man den Stein wie einen Schlitten darüber ziehen konnte.

Danach stiegen wir noch auf den Kohlehügel. Einst wurde hier die Kohle für die kaiserliche Heizung gelagert, später wurde er zu einem kaiserlichen Lustgarten mit Tempeln und Blumenarrangements. Ganz ganz oben liegt einem dann schließlich Peking zu Füßen. Man steht im Zentrum, um einen herum die Verbotene Stadt, weiter hinten die Skyline der modernsten Wolkenkratzern und ganz im Hintergrund die Berge. Alles glitzert, alles bewegt sich und trotzdem ist es ganz still. Uns blieb wirklich die Spucke weg. Aber uns wurde beiden so bewusst, das ist UNSERE Stadt und herzukommen war genau die richtige Entscheidung.

Nach einer Woche können wir Peking noch nicht völlig erfassen, aber unser Herz haben wir hier schon verloren. Sollte ich Peking in einem Wort beschreiben, wäre dieses "ALLES". Geschichte und Moderne, Tradition und Innovation, Immer von Menschen umgeben und doch allein wenn man das Bedürfnis hat, Schnelligkeit und Gelassenheit, Lärm und Ruhe, ein Überangebot an Produkten, aber keine Deodorants, einfache Menschen, reiche Menschen, sehr reiche Menschen, schwarze, weiße, gelbe, Spagetthi Carbonara und frittierte Hühnerfüße, Rischckas und Porsche, Interesse und Gleichgültigkeit, der Welt zu und abgewandt und und und...

Wir sind überwältigt und fühlen uns aber nicht fremd. Hier hat jeder einen Platz, hier ist jeder anders und wir haben unseren gefunden!

Jetzt müssen wir aber Wäsche waschen...selbst ein papstgleiches Model hat menschliche Bedürfnisse :D Allerliebste Grüße, wir denken trotzdem oft an zu Hause und wünschten uns, all das mit euch teilen zu können. <3

Dienstag, 27. August 2013

Endlich über die "Mauer" geschafft

Sooo, nach langer Zeit und etlicher Anstrengung haben wir nun die virtuelle "Mauer" überwunden und können jetzt endlich berichten.

Tatsächlich ist es für mich unbegreifbar, wie allein Peking, mit so vielen Menschen, Studenten und intelligenten, modernen Menschen es zum größten Teil einfach akzeptieren, dass das Internet kein freier und grenzenloser Ort ist wie für uns.

Unsere erste Woche ist wie im Flug vergangen. Wir leben hier ein Leben kann ich euch sagen :D

Mit unserem Zimmerchen sind wir immer noch zufrieden, mittlerweile fühlt es sich schon ein bisschen nach "heimkommen" an.

Da wir ja keinerlei Verpflichtungen oder Termine haben, (die Vorlesung fängt erst am 12. September an) schlafen wir jeden Tag gemütlich aus, duschen gemächlich, machen uns fertig und überlegen was wir gerne essen möchten. Da wir keine Küche haben, brauchen wir auch kein schlechtes Gewissen zu haben, nur auswärts zu essen. Gerade von dem sind wir nämlich begeistert. Solange die anderen deutschen Studenten sich fast ausschließlich in den beiden Pizza/Burgerläden aufhalten, schwelgen wir (noch) in herrlichen Soßen, Nudeln, Gemüse, Reis, Fleisch und und und! Das beste Hühnchen, was ich je in meinem Leben gegessen habe, war um 5 Uhr morgens an einem Stand auf der Straße, frisch gegrillt, scharf wie Sau aber supertollphänomenal. An die Stäbchen hat man sich auch schon gewöhnt, nur noch bei ungewöhnlich "schweren" Sachen hampeln wir noch etwas rum. So wie bei einer Suppe, die eine Art Mini-Maultaschen am Boden hatte. Die waren so klein und glitschig, dass wir nur am Stochern und Spritzen waren. Weitere kulinarische Höhepunkte waren frittiertes Schweinefleisch, hauchdünn und knusprig, Sesampaste zu Nudeln und das Obst, das man überall am Straßenrand mitnehmen kann. An die Schweinerüssel und Entenköpfe haben wir uns allerdings noch nicht getraut. Ansonsten sind wir überrascht über den hohen Standard in den Restaurants und Cafes in denen wir bis jetzt waren. Meistens sind die Küchen offen, die Zutaten frisch (vor allem die frischen Nudeln sind top) und die Köche tragen Mund- und Haarschutz.

Mit unseren Kollegen kommen wir auch super klar und haben echt schon einiges erlebt. Wir feiern hier bis die Sonne wieder aufgeht :) Wir gehen meist um 18:00 los um zu Essen. Das dauert meistens schon einige Zeit, denn mit Stäbchen isst man automatisch langsamer. Dann gehts zur U-Bahn. Das ist so eine Geschichte für sich. Das erste Mal, hatten wir zuvor nichts gegessen und der armen Mona ist tatsächlich ganz schwarz vor Augen geworden. Es sind sooooooo viele Menschen in so ein Abteil gepackt...die Luft wird immer dicker und dicker und an jeder Station werden noch einmal mehr reingequetscht. Und obwohl die Bahn so schnell ist, sind die Entfernungen hier so enorm. Wir fuhren 45min und waren immer noch im selben Stadtviertel!!!
Sanlitun ist ein echtes Vergnügungsviertel. Alle teueren Marken haben hier ihre Läden und nachdem die Sonne untergegangen ist, packen die fliegenden Händler, Grills und Obstverkäufer ihr Sortiment auf dem Gehweg aus. Die Lichter der Hochhäuser leuchten wie am Times Square und es sind eine Menge Leute unterwegs. Unser Ziel war ein unscheinbares Gebäude in einer Nebenstraße, aber macht euch auf das gefasst was jetzt kommt :D Ich gliedere den Abend in 8 Stufen. Die Stimmung stetig steigend....
Stufe 1) Bier, Bier, Bier
Wir kaufen Tsing Tao Bier in Dosen auf der Straße und genießen die Lichter, das warme Wetter und die vorbeigehenden, zum Teil sehr kuriosen Nachtschwärmer. Das Bier ist nicht einmal so schlecht, der Ort, woher es kommt (Tsing Tao) war ehemals deutsche Kolonie und das Bier wird laut Werbung immer noch nach dem deutschen Reinheitsgesetz gebraut. Es ist etwas wässeriger, aber dafür leicht und durstlöschend.
Stufe 2) Über den Dächern Pekings
Dann ging es hinauf. Die Bar auf dem Dach des Hauses bot uns einen super Ausblick über die leuchtende Skyline von Peking. Hier lässt sich ein Cocktail besonders gut genießen. Das witzige an den chinesischen Bars und Clubs ist, dass sie auf so mega kitschige Musik stehen. In dieser feinen und schönen Bar, lief ca. 5 mal Makarena gefolgt von den Backstreet Boys und Spice Girls, aktuell Call me Maybe oder Payphone...gute Stimmung machts aber allemal und es dauert nicht lange bis alle Makarena mittanzen. Die Einheimischen schauen uns nur schräg an, offensichtlich kennen sie den Tanz nicht sondern fragen sich, warum plötzliche alle hüpfen und wackeln :D
Stufe 3) In der Fremde ist jeder blauäugige ein Freund
Hinunter auf die Straße um zu quatschen und die Atmosphäre zu genießen. Blumen und Luftballonverkäufer, offene Grills und Bars schaffen eine sorgenfreie Atmosphäre. Wir lernen immer mehr der internationalen Studenten kennen, bis wir eine Gruppe von ca. 50 Menschen sind. Kein Problem, denn das Hochhaus, auf dessen Dach die Bar ist, hat auf JEDEM STOCKWERK einen anderen Club/Bar. Zuvor kauft noch ein Englischen Diplomat, der hier mit seinen Kollegen feiert, sämtliche Blumen der herumlaufenden und rosenverkaufenden Kindern ab und schenkt sie Mona und mir. Wir unterhalten uns so gut es geht...besoffene Engländer sind auch überall gleichpeinlich. Aber unsere "Bekanntenliste" hat sich von der irisch-amerikanischen Redakteurin der ChinaDaily (die größte Englische Zeitung hier) und ihrem Mann um die Englische Botschaft verlängert.
Stufe 4) Wieder hinauf und rein in die Illegalität
Im zweitobersten Stock finden wir eine Schwulenbar. Offiziell gibt es in China genau 0 schwule Menschen. Ähnlich wie "seinerzeit" gilt es als Krankheit bzw. assozial Hier aber tobt das Leben. Es wird getanzt, geküsst (in der Öffentlichkeit ebenfalls nicht gerne gesehen) und das Leben genossen. Hier haben wir Spaß, denn wir werden mit offenen Armen empfangen. Es tobt der Bär. Irgendwann wird es den Jungs doch mulmig und wir ziehen weiter.
Stufe 5) Wir sind noch nicht besonders müde
Obwohl Sonntag ist, sind wir (auch wegen unsererm anhaltenden Jetlag) noch lange nicht müde und völlig aufgekratzt. Das heißt: Ein Stockwerk tiefer. Wir finden einen Irish Pub, den wir tänzerisch nochmal richtig aufmischen! Schließlich werden wir aber hier höflich aufgefordert langsam die Koffer wieder zu packen.
Stufe 6) DAS BESTE HÜHNCHEN DER WELT
Unten auf der Straße stehen noch immer die Grills auf Rädern und duften so verführerisch, dass ich nicht widerstehen kann. Ich kaufe einen Spieß mit Hähnchen und verfalle in einen Zustand vollkommener Zufriedenheit. Höllisch scharf, süß, heiß und zart zur gleichen Zeit. Einfach herrlich.
Stufe 7) Huixin Dong Jie
Wir beschwatzen die Taxifahrer und handeln was das Zeug hält einen Super Preis aus und befinden uns schon bald zu fünft in einem Taxi nach Hause zur Huixin Dong Jie, unserer Straße. Das macht dann für jeden 8 Yuan ... ca.1 €! Das krasse an unserem Taxi war, dass es in den Kopfstützen Bildschirme gab mit denen man im Internet surfen und spielen kann. Obwohl wir sowieso schon völlig eingequetscht auf der Rückbank sitzen, kugeln wir alle übereinander um auch einen Blick darauf zu erhaschen :D
Stufe 8)
Sämtliche Supermärkte und Fast-Food Restaurants haben 24 Stunden 7 Tage die Woche offen und wir gönnen uns noch ein kleines Frühstück und schauen uns den Sonnenaufgang an...Der Smog hat sich fast verzogen und es kehrt Ruhe ein. Um 6 Uhr liegen wir endlich glüclich und zufrieden im Bett!

Ihr habt vielleicht bemerkt, dass Peking UNSERE Stadt zu sein scheint. Und das war nur exemplarisch für die vielen schönen Abenden die wir schon verbracht haben. Wir haben so viel Spaß mit den Deutschen und Franzosen und Mexikanern, aber lernen auch so viele junge Chinesen kennen, die uns von sich erzählen und die an Europa und Deutschland viel Interesse zeigen. Teilweise wird es sogar richtig intellektuel ( Einer konnte uns den Verlauf der preussischen Grenzen über 100 Jahre hinweg beschreiben). Sie interessieren sich hauptsächlich für die Ungleichheit von West und Ost Deutschland und wie sich das Land seit der Wende geändert hat und sehen darin eventuelle Parallelen für ein zukünftiges China. (Ihr seht, wir feiern also nicht nur :D)

Heute haben wir allerdings beschlossen, früh ins Bett zu gehen und deswegen Adieu bis demnächst (Und lasst uns hoffen, dass dieser Blog funktioniert!

Bussi, Jenny

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